Domm

Die in Wien lebende und arbeitende Natascha Strobl wird massiv bedroht. Sie ist Politikwissenschaftlerin und analysiert unter anderem die politische Sprache der Rechten. Nun ist es nichts Neues, dass Menschen, die sich mit Nazis auseinandersetzen bedroht werden.
Doch die Bedrohungen haben massiv zugenommen, erzählt sie in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau, nachdem Rainer Mayer unter dem Pseudonym Don Alphonso einen Beitrag über sie in der Welt veröffentlich hat. Sie war für einen Beitrag des ARD-Magazins Panorama als Expertin angefragt worden.
Rainer Mayer missfällt, dass Natascha Strobl mit ihrer Expertise auch für Vorträge gebucht wird und natürlich Gruppen ein Interesse an ihrer politikwissenschaftlichen Sicht haben, die sich mit Rechten auseinandersetzen. Das sind in der Regel antifaschistische Gruppen. Dass, wie in dem Panorama Beitrag berichtet, ein Oberstleutnant der Bundeswehr, der die sozialen Medien-Kanäle der Bundeswehr betreut, mit Beiträgen von rechten Nutzern sympathisiert, scheint ihn nicht zu stören. In dem stinklangweiligen Beitrag von Rainer Mayer auf welt.de wirft er den Gruppen, vor denen Frau Strobl als Referentin auftrat, Hass auf Polizei, Militär und ja sogar den Staat vor. Das es einen Unterschied gibt, zwischen Gruppen die sich kritisch mit Institutionen wie Polizei, Armeen und Nationen auseinandersetzen und rechten Gruppen, die sich gegen Menschen mit dem falschen Glauben, der falschen Hautfarbe oder dem falschen Geburtsort richten, muß man Herrn Mayer nicht erklären. Das dürfte er wissen. Es ist ihm aber egal. Den das rechts-konservative Publikum seiner Beiträge in der Welt will Attacken gegen die „zwangsfinanzierte ARD“ und gegen Wissenschaftler die ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse vor Menschen vortragen, die sich noch Wissenschaftler anhören. Und die bekommt es.
Dabei tritt Rainer Mayer nicht als er selbst auf, sondern als eine Kunstfigur. Don Alphonso nennt er sich, sich selbst adelnd. Diese Kunstfigur schätzt „Porzellan, Kulturgeschichte und gute Sitten“, wie im Autorenprofil zu lesen ist. Dort ist es ihm auch wichtig, direkt im dritten Absatz zu erwähnen, dass er eigenen Kindern den Fernseher vorenthalten würde und ihnen Bücher unter die Arme klemmen würde um ihnen die richtige Haltung am Tisch einzutrichtern. Dies hätten seine Eltern mit ihm genauso gemacht. Warum die Bücher in die schwitzigen Achseln des Jünglings geklemmt wurden anstatt sie ihm vorzulesen oder ihm beizubringen wie man sie liest, ist mir schleierhaft. So kann Don Alphonso nichts spannendes erzählen sondern ausschließlich nett anzuschauend am Tisch sitzen. In seinen Beiträgen und auf seinem Twitter-Account provoziert er wie ein Internet-Troll mit grenzwertigen rechten Sprüchen um möglichst viel Aufregung zu provozieren. Widerspruch von Links, Zuspruch von Rechts. Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit. Dabei kommt leider kein spannender oder kluger Gedanke heraus. Ja nichtmal sprachlich schön ist das Ganze.
Nachdem man sich durch den ellenlangen (angezeigte Lesedauer: 11 Minuten) Text zum „Panorama-Skandal“ gequält hat, reichen die Überschriften der anderen Artikel Don Alphonsos um einem das Interesse diese zu lesen vollständig zu verübeln. Von „Meinungskontrolle“ der „Internet-Stasi“, dem „rot-grünen Zyklus“ und „Linken Weißen“ ist da die Rede. Der langweilige ewige gleiche Gedanke der neuen Rechten von den bösen Linken denen ja nur ein mutig anders denkender auf die Schliche kommt.
Das die von Don Alphonso vorgeführten Journalistinnen und Journalisten bedroht, mit Hass und Häme überzogen werden, ja sogar Morddrohungen erhalten, scheint weder den Autor noch seinen Arbeitgeber die Welt zu kümmern. Unter dem Stichwort „Meinungsfreiheit“ wollen sie alles sagen dürfen. Die Folgen scheinen ihnen Schnuppe. Wenn anders als sie denkende alles sagen wollen, dann ist ihnen das zu extrem, zu verfassungsfeindlich oder zu zwangsfinanziert.
Natascha Strobl gebührt, wie jedem von Nazis anonym unter Pseudonym und im privaten Bedrohtem, Solidarität, Unterstützung und der Zuspruch nicht allein zu sein.