Hup Hup

Der Frankfurter hupt gerne.
Vorsichtig versucht ein Autofahrer in einem scheinbar günstigen Moment sein Auto aus der Parklücke herauszumanövrieren, schon hupt ihn der plötzlich Heranrauschende herrisch an. Anstatt abzubremsen und den anderen rücksichtsvoll aus der Parklücke eiern zu lassen wird scharf abgebremst und heftig gehupt. Als würde das etwas ändern. Als könne der aus der Parklücke kriechende sich auflösen, im Erdboden versinken oder irgendetwas anderes tun als weiter auszuparken.
Das Pendant dazu ist der keifende Radfahrer. Sich grundsätzlich als Opfer sehend, bemeckert der sportliche Zweiradpilot alle Autofahrer. Je größer ihre Karren, umso größer die Wut bei dem, der sich trotz Eis und Schnee auf seinem Drahtesel abstrampelt. Tut er doch Gutes. Gutes für seinen Körper, für das Klima und überhaupt. Den Autofahrer in seiner beheizten, bequemen Fahrgastzelle, mit Musik, Sitzheizung und Navigationsgerät dagegen hasst und beneidet er, den kann er nicht ausstehen und macht dieser auch nur einen Fehler, bekommt er das gesamte Gemecker des Fahrradfahrers ab. Denn dieser kann nur dämlich klingeln, nicht testosteronig hupen.
Auch in unserer Wohnung haben wir uns angewöhnt zu hupen. Beladen mit dampfenden Pfannen oder randvollen Schüsseln hupen wir vor potentiellen Gefahrenstellen, dort wo der andere aus der Küche schießen und es zum unweigerlichen Zusammenstoß kommen könnte. Das schützt vor Verbrühungen, auf dem Boden liegenden Essen und dem Lauf ins offene Messer.
Auch auf der Arbeit ist die Verkehrslage gefährlich. Aus dem Büro in den Flur treten bringt unweigerlich die Gefahr mit sich von einer den Flur hinabeilenden Person umgesemmelt zu werden. Ein warnender Hupton aus dem Mund des Heraustretenden und grundsätzliches hupen beim passieren von Türen, könnte dies von vornherein verhindern. Vielleicht hilft das dem ein oder anderen auch das Auto mal stehen zu lassen. Nicht nur in Frankfurt.