10 Fakten über die Polonäse

  1. Heute geht die Polonäse bis nach Istanbul.
  2. Eine richtig lustige Polonäse nennt man PoLOLnäse
  3. Der Start jeder Polonäse ist Blankenese.
  4. Polonäse schließt den Magen.
  5. Polonässe entsteht bei einem Polospiel im Regen.
  6. VW hatte nach dem Golf Bon Jovi lange Zeit den Plan mit einem Polo Näse nachzulegen.
  7. Heuschnupfen-Allergikern entfernt man oft die Polonäsen.
  8. Wichtige und unverzichtbare Utensilien für Teilnehmer_innen einer gelungenen Polonäse: Jeweils mindestens ein Arm, Schultern, Pappnasen und ein Gummihuhn.
  9. In Deutschland steigt die Stimmung während einer Polonäse wenn die Teilnehmer_innen regelmäßig mit dem Wort „Stimmung!“ angebrüllt werden. (Von Tony Marshall lernen, heißt stimmungstechnisch siegen lernen.)
  10. Wer bei einer Polonäse nicht mitmacht ist kein richtiger Deutscher, Langweiler, schlecht im Bett und weiß einfach nicht wie man feiert.

Aus dem Inneren eines Führungszirkels

Ich würde da wirklich gerne mal eure Meinung hören. Es wäre mir wichtig, dass jeder mal etwas zu dem Thema sagt. Ich würde jetzt erstmal meine Sicht darstellen und dann kann jeder, ganz frei, mal erzählen was er davon denkt. Das fände ich wirklich mal gut, auch mal ganz andere Einblicke zu bekommen. Ich kann ja einfach mal berichten wie ich das mache und was ich dazu denke und auch wie ich da vorgehe. Aber dann interessiert mich auch eure Meinung, eure Perspektive. Es ist für mich schon immer sehr wichtig gewesen auch andere einmal zu Wort kommen zu lassen. Andere Einschätzungen zu bekommen. Zuzuhören, ja? Also einfach mal anzunehmen, mich einzulassen auf die Sichtweise anderer, ja, Menschen. Das kann ich euch ja ruhig mal erzählen, das findet ihr sicher auch spannend, wie das so bei uns ist, das ihr auch mal über den Tellerrand schaut, mal guckt, wie machen die das denn. Und dann soll jeder ruhig mal berichten wie er das macht. Ja, wer mag denn anfangen? Soll ich das moderieren oder reden wir einfach so wie es passt? Ich denke ich fang einfach mal an, ihr könnt mich dann ja ergänzen. Frei von der Leber weg, wir sind hier ja unter uns und es ist genug Raum für alle. Jeder hat ja da immer ganz andere Ideen, das bereichert einen ja, das bereichert mich. Man lernt ja nie aus. Das Leben ist ein ständiges Lehren und Lernen. Fordern und Fördern. Stärken stärken und Schwächen schwächen. Jeder wie er kann, jeder wie er ist. Das ist zumindestens mein Motto. Aber ihr könnt mir da ruhig widersprechen, wenn ihr das anders seht. Könnt ihr ja gleich mal erzählen. Dazu sind wir ja hier. Ich müßte allerdings gleich nochmal kurz telefonieren gehen. Aber wir wollen ja eh pünktlich Schluß machen. Aber das tat gut mal frei reden zu können, dass mal alles ausgesprochen wird. Ungefiltert. Einfach aus dem Kopf durch den Mund, über die Zunge, an den Zähnen vorbei raus in den Raum und dann durch die Luft in eure Ohren und da geht das ja glaube ich mit dem Trommelfell irgendwie dann durch die Gehörgänge in äh … also dann schwingt da das Fell und so ein Knochen schwingt irgendwie mit … und dann … ist das quasi in euren Köpfen, obwohl man kann ja nicht NICHT kommunizieren und die Gestik macht ja auch … wenn man das in Prozent darstellt, dass hat mal so ein ganz spannender Arzt in einem Buch geschrieben, das muß ich euch mal schicken den Titel, das ist echt mega spannend, das solltet ihr mal lesen, wenn man denn noch Zeit findet zum lesen, ich weiß ja nicht wie ihr das macht, das würde mich ja mal brennend interessieren, das fände ich echt spannend dass mal von euch zu hören, wie ihr das so macht. Also ich finde das gut und freu mich da schon drauf wenn wir das bald wiederholen. Ich bin dann mal los. Ihr findet ja allein raus.
Danke und bis zum nächsten Mal.

Halb 3 in Deutschland (Trinkergeschichten 2)

Ich kam um halb 3 nach Hause. Nicht in der Bewusstlosigkeit des Suffs, sondern im vollen Bewusstsein des Rausches. Einem seit Stunden andauernden Zustande des gewollten Rauschzustandes, betrunken ohne volltrunken zu sein. Herr meiner Kräfte und Sinne und doch gleichzeitig entrissen der Hemmnisse, der Kontrolle, der Vernunft der Nüchternheit. Alles wissend, mich an alles erinnernd. In einer dichten und ehrlichen, unzensierten Stärke der Enthemmtheit und der gleichzeitigen, tiefen Ehrlichkeit.

Schau her ich bin nackt

Ich seh am See andauernd Nackte. Subjektiv wahrgenommen sind Anhänger_innen der Freikörperkultur (FKK) eine kleine Minderheit, aber an jedem noch so kleinen Badesee gibt es eine, allen bekannte, Ecke wo die Nackten liegen.
Komplett streifenfrei bronzebraun gebrannt watschelt der nackte, prall dickbäuchige Mann mit schwingendem Schwanz an einem vorbei zum pissen ins Gebüsch. Um kurz darauf wieder zurück zu latschen, die pralle Wampe nackig vor sich her tragend wie eine pralle Pauke, sein Penis je nach Länge fröhlich schwingend oder keck wippend. Die Körper der FKKler sind entweder vom ständigen nackt rumhängen komplett braungebrannt in einem bronzeähnlichen Ton oder von der vielen Sonne die seit Jahrzehnten ungeschützt auf sie niederbrezelt bereits in eine ledrige Konsistenz übergegangen.
In der Nackidei-Ecke bückt sich derweil ein ebenfalls in die Jahre gekommener Mann, leicht breitbeinig stehend um einen Hering seines Windschutz-Zeltes zu befestigen und bietet uns, seine Rückseite zugewandt tiefe Einblicke in seinen haarigen Analschacht. Zwischen seinen Beinen ist mit anzusehen was die Schwerkraft für eine Wirkung entfaltet. In ihrer bronzebraun gebrannten Hülle hängen die runzeligen Altmännerhoden fast auf Kniehöhe.
Und mir war das grellbunte Muster meiner Badehose unangenehm gewesen.

Deutsche Sprache, schwere Sprache

Wieviele Missverständnisse drohen in der deutschen Sprache? Da bittet man die Nachbarn in der urlaubsbedingten Abwesenheit den Rasen zu sprengen und findet bei der Rückkehr nur noch einen großen Krater vor. Wird in einer Konferenz von der Chefin gefordert „die Folie an die Wand zu werfen“, erwartet sie, dass der Beamer eingeschaltet wird. Spricht der Schaffner in einer Durchsage von einer Zugkreuzung als Verspätungsgrund, meint er vermutlich nicht die Fortpflanzung zweier ICEs. Um die Begattung geht es wohl auch kaum, wird man aufgefordert den Tisch zu decken. Auch mit der Mann- oder Raumdeckung aus dem Sport hat es genauso wenig zu tun. Dann wohl schon eher mit der Tischdecke. Man kann sich versehen, verhören, versprechen, doch verriechen kann sich nur der Wein oder der Tabak. Und vergessen meint etwas anderes, als irrtümlich vom Teller der Sitznachbarin zu speisen. Man kann jemand auffordern sich zu verpissen, aber nicht sich zu verkacken. Verkacken kann man dafür die Klausur. Man geht zum Friseur, zum einkaufen aber aufs Amt. Dann ist man UNTERwegs oder AUF Reisen. AUF Platz 15, IM Zug, AUF der Schiene, UNTERwegs, NACH Hamburg-Altona und schon HINTER Kassel. Und wenn man ein Hindernis umfährt, kann das ein gutes Ausweichmanöver oder einen Blechschaden bedeuten.

Der erste Satz

Der erste Satz eines Buches ist unheimlich wichtig. Er muß gut sein. Ich reserviere mir hiermit folgenden Romanstart: „Dank jahrelangen Zeitunglesens auf Toilette, reichte allein das Aufblättern einer Zeitung um bei ihm heftigen Stuhldrang auszulösen.“

Domm

Die in Wien lebende und arbeitende Natascha Strobl wird massiv bedroht. Sie ist Politikwissenschaftlerin und analysiert unter anderem die politische Sprache der Rechten. Nun ist es nichts Neues, dass Menschen, die sich mit Nazis auseinandersetzen bedroht werden.
Doch die Bedrohungen haben massiv zugenommen, erzählt sie in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau, nachdem Rainer Mayer unter dem Pseudonym Don Alphonso einen Beitrag über sie in der Welt veröffentlich hat. Sie war für einen Beitrag des ARD-Magazins Panorama als Expertin angefragt worden.
Rainer Mayer missfällt, dass Natascha Strobl mit ihrer Expertise auch für Vorträge gebucht wird und natürlich Gruppen ein Interesse an ihrer politikwissenschaftlichen Sicht haben, die sich mit Rechten auseinandersetzen. Das sind in der Regel antifaschistische Gruppen. Dass, wie in dem Panorama Beitrag berichtet, ein Oberstleutnant der Bundeswehr, der die sozialen Medien-Kanäle der Bundeswehr betreut, mit Beiträgen von rechten Nutzern sympathisiert, scheint ihn nicht zu stören. In dem stinklangweiligen Beitrag von Rainer Mayer auf welt.de wirft er den Gruppen, vor denen Frau Strobl als Referentin auftrat, Hass auf Polizei, Militär und ja sogar den Staat vor. Das es einen Unterschied gibt, zwischen Gruppen die sich kritisch mit Institutionen wie Polizei, Armeen und Nationen auseinandersetzen und rechten Gruppen, die sich gegen Menschen mit dem falschen Glauben, der falschen Hautfarbe oder dem falschen Geburtsort richten, muß man Herrn Mayer nicht erklären. Das dürfte er wissen. Es ist ihm aber egal. Den das rechts-konservative Publikum seiner Beiträge in der Welt will Attacken gegen die „zwangsfinanzierte ARD“ und gegen Wissenschaftler die ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse vor Menschen vortragen, die sich noch Wissenschaftler anhören. Und die bekommt es.
Dabei tritt Rainer Mayer nicht als er selbst auf, sondern als eine Kunstfigur. Don Alphonso nennt er sich, sich selbst adelnd. Diese Kunstfigur schätzt „Porzellan, Kulturgeschichte und gute Sitten“, wie im Autorenprofil zu lesen ist. Dort ist es ihm auch wichtig, direkt im dritten Absatz zu erwähnen, dass er eigenen Kindern den Fernseher vorenthalten würde und ihnen Bücher unter die Arme klemmen würde um ihnen die richtige Haltung am Tisch einzutrichtern. Dies hätten seine Eltern mit ihm genauso gemacht. Warum die Bücher in die schwitzigen Achseln des Jünglings geklemmt wurden anstatt sie ihm vorzulesen oder ihm beizubringen wie man sie liest, ist mir schleierhaft. So kann Don Alphonso nichts spannendes erzählen sondern ausschließlich nett anzuschauend am Tisch sitzen. In seinen Beiträgen und auf seinem Twitter-Account provoziert er wie ein Internet-Troll mit grenzwertigen rechten Sprüchen um möglichst viel Aufregung zu provozieren. Widerspruch von Links, Zuspruch von Rechts. Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit. Dabei kommt leider kein spannender oder kluger Gedanke heraus. Ja nichtmal sprachlich schön ist das Ganze.
Nachdem man sich durch den ellenlangen (angezeigte Lesedauer: 11 Minuten) Text zum „Panorama-Skandal“ gequält hat, reichen die Überschriften der anderen Artikel Don Alphonsos um einem das Interesse diese zu lesen vollständig zu verübeln. Von „Meinungskontrolle“ der „Internet-Stasi“, dem „rot-grünen Zyklus“ und „Linken Weißen“ ist da die Rede. Der langweilige ewige gleiche Gedanke der neuen Rechten von den bösen Linken denen ja nur ein mutig anders denkender auf die Schliche kommt.
Das die von Don Alphonso vorgeführten Journalistinnen und Journalisten bedroht, mit Hass und Häme überzogen werden, ja sogar Morddrohungen erhalten, scheint weder den Autor noch seinen Arbeitgeber die Welt zu kümmern. Unter dem Stichwort „Meinungsfreiheit“ wollen sie alles sagen dürfen. Die Folgen scheinen ihnen Schnuppe. Wenn anders als sie denkende alles sagen wollen, dann ist ihnen das zu extrem, zu verfassungsfeindlich oder zu zwangsfinanziert.
Natascha Strobl gebührt, wie jedem von Nazis anonym unter Pseudonym und im privaten Bedrohtem, Solidarität, Unterstützung und der Zuspruch nicht allein zu sein.