Treffen sich zwei Haushalte

Feta für die Väter
Butter für die Mutter

Steaks vom Rind fürs Kind
und Schenkel für die Enkel

Ist die Kontaktbeschränkung vorbei
beginnt die Familienvöllerei

Beim großen Essen
wird keiner vergessen

Rosinen für die Cousinen
Und auch eine Runde
für Katzen und Hunde

Ein krachender Furz,
entweicht erst Opa dann Oma
der Lebensmittelindustrie geht es gut
trotz/dank/wegen Corona

Klokultur

Im Konsumismus gibt in der Regel von allem zu viel und alles in vielen Varianten, für jeden Geschmack etwas. Selbst bei Klopapier gibt es unzählige Variationen. Aus Altpapier und aus frisch gefälltem Regenwald hergestelltes, flauschig weiches und Schmirgelpapier raues, schneeweiß gebleichtes und graues, welches mit Motiven und welches mit Geruch. Corona hat ja nun in Deutschland bekanntlicherweise für eine so starke Nachfrage nach Toilettenpapier geführt, dass das Angebot nicht nachkommt. Und das führt dazu, dass niemand mehr die gewohnte Sorte Klopapier kaufen kann. Ich kaufe seit 15 Jahren Recycling-Toilettenpapier, weil ich finde ein jahrzehntelang gewachsener Baum sollte mindestens einmal etwas anderes gewesen sein, bevor er zum Arsch abwischen benutzt wird und für immer in der Kanalisation verschwindet. So benutze ich also schon ewig entweder die Recyclingeigenmarke der Drogerie oder das Klopapier einer Marke die sich für jeden Kauf bedankt und entdecke nun die spannenden Variationen auf dem Poabwischpapiermarkt.
In meinem Haushalt haben wir uns entschieden, weiter wie bisher einzukaufen. Geht es an die letzte oder vorletzte Rolle, wird eine neue Packung beschafft. Das war beim ersten Mal spannend, dauerte es doch drei Tage bis wir eine Packung ergatterten. Interessanter Weise handelte es sich hier, laut Aufdruck, um eine „Limited Edition“. Was mir irgendwie unsensibel vorkam. Diese limitierte Edition des edlen Guts war mit Motiven Londons bedruckt. Beim zweiten Mal war die einzig zu bekommende Klopapierpackung eine mit fünflagigem Papier, was dann doch zu deutlich zarteren Ärschen führte.
Die gestern frisch erbeutete, direkt mit 24 Rollen bestückte Packung war eine wohl eigentlich für den polnischen Markt fabrizierte. Kein einziges Wort auf der Packung ist in deutsch. Anscheinend kaufen unsere Supermärkte die Bestände aus den normal weiter abwischenden Nachbarländern ein. Diese Klopapierverpackung ziert nun ein Eisbär. Mir ist die Botschaft des schneeweißen Bären mit dem flauschigen Fell klar, er soll genau diese Eigenschaften dem Klopapier zuschreiben. Aber irgendwie passt das für mich nicht zusammen. Seinen braunen Kot abschmieren an einem weißen Bären? Das Papier nicht nur aus gefällten Bäumen, sondern aus Eisbärenfell?
Naja, zusätzlich ist es, so zumindest übersetze ich es aus dem polnischen, mit Aloe Vera versetzt. Die Zeit der weichen Popohaut, wird in unserem Haushalt wohl nicht enden.

Doch dann …

Am Samstag hol’n wir mal nen neuen Matratzenschoner
doch dann kam Corona

Für den Frühling neue Sneaker
doch dann kam Corona

Ostern sehen wir uns wieder
doch dann kam Corona

Zum neuen Album gibt’s ne Tour, klar
doch dann kam Corona

Robert Habeck wird Bundeskanzler
doch dann kam Corona

Ihr Kind lernt deutsch dann in der Kita
doch dann kam Corona

Enkel sehen Oma und Opa
doch dann kam Corona

Seine Wiederwahl ist unklar
doch dann kam Corona

Nein, ich versteh mich prima mit dem Mitbewohner
doch dann kam Corona

Es tut uns Leid, es ist kein Geld da
doch dann kam Corona

Die Erfindung der Empfindung

Jetzt in Corona-Zeiten müße man sich neu erfinden, sagt der Mann in der U-Bahn in sein Handy. Die Firma seines Kumpels habe sich auch ganz neu erfunden.
Wie kann man etwas neu erfinden? Entweder gibt es etwas schon oder noch nicht, dann erfindet man es. Und wenn man sich schon neu erfindet, wann hat man sich das erste Mal erfunden? Und wie oft im Leben kann man sich erfinden?
In Corona-Zeiten bleiben die meisten doch wer sie schon immer waren. Firmenbosse die bisher immer auf Maximalprofit aus waren, wollen jetzt von Steuergeldern gerettet werden. Cordhosen-Rentner, die alles und jeden aufgeschrieben, beobachtet und angezeigt haben, machen das jetzt weiter. Leute, die Kinder nicht bekommen haben um mit ihnen Zeit zu verbringen, haben auch jetzt keine Freude daran wochenlang mit ihnen Zeit verbringen zu müßen. Und wer vorher jeden angebrüllt hat der sich nicht an irgendeine Regel hielt, brüllt auch jetzt sofort los, wenn jemand die neuen Ansteh- und Einlassregeln nicht sofort durchblickt.
Vielleicht sollte Daniel Düsentrieb das alles mal neu erfinden.

Meine Finger sind zu dick fürs iPhone

Ich muß wieder zu Hause wohn
denn meine Finger sind zu dick fürs iPhone

Mein Chef bezahlt mir kaum Lohn
meine Finger sind zu dick fürs iPhone

Meine Freunde haben für mich nur Spott und Hohn
meine Finger sind zu dick fürs iPhone

Das Volk stieß mich von meinem Thron
meine Finger sind zu dick fürs iPhone

Seit Jahren sinkt der Reallohn
unsre Finger sind zu dick fürs iPhone

Früher blühten Felder voller Mohn,
heute sind unsre Finger zu dick fürs iPhone

Als ich auf die Welt kam, wußte man schon:
Diese Wurstfinger sind zu dick fürs iPhone

Woran scheiterte die Revolution?
Unsre Finger warn zu dick fürs iPhone

Erschaffe ich mir mal einen Klon,
wären seine Finger zu dick fürs iPhone

Wer mag schon ein Kind,
dessen Finger zu dick fürs iPhone sind?
Früher steckte Ich fest in Wählscheiben,
Tastaturen konnte ich mehr leiden.
Doch dann kam der Berührungsmonitor
und alles war wieder wie zuvor.
Das Iphone ist ein Eigentor,
Wurstfinger-Menschen singens im Chor:

Unsre Finger sind zu dick fürs iPhone!

Im Frühling unter Bäumen

Was ist denn jetzt eigentlich auch noch mit den Vögeln los? Alles zugeschissen. Also nicht diese kleinen weißen Kleckse mit ein bisschen schwarz darin, nein, riesengroße Flatschen. Braun oder violett. Und in Massen, dass man es nicht übersehen kann. Ist das jeden Frühling so? Stellen die Vögel da ihre Ernährung um? Oder entschlacken sich mal so richtig beim Fasten? Oder sind die jetzt geil, bereit ihre Kloaken aneinander zu reiben und sich fortzupflanzen und da geht ihnen irgendwie die Muffe und sie pladdern alles voll? Vielleicht geht ja auch eine geheime Vogelkrankheit um, die bisher keiner außer mir bemerkt hat?
Aber mal eine ganz andere Frage. Wie geht es eigentlich den Eichhörnchen? Die verbuddeln doch im Herbst überall Eicheln und andere Nüsse um dann Winterruhe zu halten. Also schlafend in ihrem Kobel zu liegen und nur ab und an für eine kleine Haselnussschnitte aufzustehen. Aber die Eichhörnchen die ich beobachte sind eigentlich den ganzen Winter wie wild rumgerannt und haben gebuddelt und versteckt. Und jetzt ist einfach Frühling. Macht das was mit den Eichhörnchen? Diese Urlaubskürzung, diese Arbeitsverdichtung, diese ständige Verfügbarkeit und die Schieflage in ihrer Nüsse-sammeln – Ausschlafen – Balance?
Und wer dreht zuerst durch? Die Tierwelt oder die soziale Kontakte meidende Menschheit?

Damit das mit dem durchdrehen der Menschheit sich noch etwas hinzieht, werde ich meinen Beitrag leisten und am Mittwoch, ab 18 Uhr auf Instagram Live (und falls das technisch geht auch auf Periscope) eine kleine Lesung veranstalten. Am Tag des Scherzes die Quarantäne etwas erträglicher gestalten.
Wer mag, schaltet also am 1. April um 18 Uhr ein.

Aus aktuellem Anlass

Puh, was ist denn jetzt los? Solidarität, moralische Keulen, dass man sich isolieren solle für sein Land, Hände waschen. Die Geschäfte zu, die Kitas und Schulen geschloßen, alle halten Abstand. Die Deutschen lagern Nudel und Klopapier lieber daheim als in den Regalen der Drogerien und Supermärkte. Die Wirtschaft. Die werden wir wieder aufbauen müßen wenn das alles vorbei ist. Und als der Fußball abgesagt wurde, war es plötzlich Ernst.
Im Fernsehen laufen Risikogruppen durch die leeren Innenstädte um umsonst Blumen aus leeren Geschäften zu ergattern und frische Lebensmittel einzukaufen.
Nationalismus ist wichtiger als Zusammenhalt und jedes Land schottet sich ab, versucht den anderen nichts abzugeben und geht mit dieser Pandemie um wie es möchte. Dazwischen stranden Menschen, als in dieser sich immer freiere Welt plötzlich Wege versperren.
Die einen schauen jetzt mal ein Best Of der Katastrophen- und Zombie-Filme, die anderen lesen endlich mal wieder in Ruhe Bücher oder verbringen Zeit mit ihren Kindern. In neun Monaten werden sicher unzählige Corona-Babys geboren, weil nun endlich mal wieder Zeit für den ehelichen Geschlechtsverkehr bleibt. Aber auch die Scheidungsrate wird sich erhöhen, wenn wochenlang beide auf ihren Laptops rumtippend im Home-Office gefangen sind. Wenn das mit dem Home-Office denn geht. Denn so zukunftsmäßig digital aufgestellt ist Deutschland dann doch nicht, dass alle gleichzeitig ins Internet bzw. in die Leitung ihrer Firmen können. Das wäre doch mal ein Thema für die FDP. Für die Anderen heißt es jetzt vielleicht auch mal reflektieren. Wieso hab ich eigentlich keine sozialen Netzwerke die mir Klopapier und Nudeln kaufen wenn ich krank sein sollte oder zu einer Risikogruppe gehöre? Wieso fällt mir ohne Arbeit die Decke auf den Kopf, wenn ich eine Weile allein mit mir bin? Und wie selbstverständlich ist es geworden jederzeit überall hin und wieder zurück reisen zu können als Deutscher? Und wie schnell getaktet, dauernd verfügbar, jederzeit verkaufen, verkaufen, verkaufen und flexibel muß unsere Welt denn sein und warum? Zeit zum nachdenken ist immer gut. Wer das Glück hat nicht krank zu sein oder sich um Kranke zu sorgen oder gar den Tod lieber Menschen zu betrauern hat, sollte sie jetzt nutzen. Vielleicht kommt ja was Gutes dabei raus.

Mareike Elfenbüttel – Eine Empfehlung

Mit manchen Menschen bleibt man immer in Kontakt. Man verfolgt sie mal neugierig, mal schwärmend, mal staunend aus der Ferne und dann wieder große Zeitspannen kaum bis gar nicht, bis sie mit irgendwas wieder ins Leben platzen oder man in ihres. Mareike Elfenbüttel und ich haben den Ursprung in der Braunschweiger Südstadt gemeinsam und auch das Schreiben. Denn das tut sie seit kurzem und staunend sitzt man davor, was da Gutes zu Tage kommt.
Freudig grinsend wie vor einem Horrorfilm liest man die an Soylent Green erinnernde Kurzgeschichte um anschließend zu merken, dass sie auch Soft-Porno anmutende Erotikliteratur kann und dann weiterzulesen in der treffend ausführlichen und amüsanten Beschreibung einer an Zahlen gebundenen Zwangsstörung. Sie weiß mit Worten umzugehen, zu formulieren und dabei lesbar und unterhaltsam zu bleiben.
Herrlich blutig ist das ganze immer wieder, Science Fiction und Horror ihr Metier.
Und jetzt? Soll doch tatsächlich der erste Roman kommen. Wagt sie sich raus aus dem übersichtlichen Format der Kurzgeschichte. Und man vermutet, dass wird gut.
Neuerdings liest sie ihre eigene Literatur sogar vor. Was bleibt einem da als letzter Wunsch? Ihr nächstes Hörbuch lesen zu dürfen. Und mehr Leserinnen und Leser für Mareike Elfenbüttel.
Also, schauen Sie hier: https://mareikeelfenbuettel.jimdofree.com