Sie stehen sich regungslos gegenüber. Irgendwann geht ein Zucken durch den Arm des Einen und mit einem nervig unangenehm lauten Geräusch geht der Ball ins Tor. Sie haben aus der geselligen Kneipenbeschäftigung Kickern einen Wettkampf gemacht, einen Sport, einen Ehrgeiz der das wilde drehen und kurbeln, das an 8 Stangen Gedrehe um den Ball irgendwie zu treffen uns ins gegnerische Tor zu kullern, in einen hochkonzentrierten Akt verwandelt hat, bei dem der Ball Ewigkeiten rumliegt, leicht hin und her gedreht, platziert wird um dann mit enormer Wucht aufs Tor zu ballern. Damit auch jeder mitkriegt, was für gute Spieler sie sind, ziehen sie sich extra Handschuhe an oder umwickeln die Griffe vorher mit einem speziellen Band. Auch bestimmte Grifftechniken, um das Geräusch des ins Tor sausenden Balles noch lauter zu machen, beherrschen sie. So wird die abgeknickte Hand irgendwie von außen an den Griff gedrückt um dann mit plötzlicher, ruckartiger Bewegung die Spieler so zu bewegen, dass der Ball nach vorne schießt. Bei alldem bleibt nur der Platz an der Theke in möglichst sicherer Entfernung zum Kickertisch.
Wie ich mal neben einem Youtuber im Zug saß
Ich saß neben einem Youtuber im Zug. Nicht, dass ich einen Youtuber in freier Wildbahn erkennen würde, außer vielleicht diesen Rezo mit den auffälligen Haaren, aber auf dem Bildschirm meines Sitznachbarn war eben dieser, neben mir sitzende junge Mann zu sehen, wie er ständig in die Kamera sprach, anscheinend auf einer Hochzeit. Mal war er im Anzug zu sehen, mal sein Hotelzimmer, mal feiernde, tanzende Menschen, dann wieder die ganze Örtlichkeit vor der Feier, noch im Aufbau begriffen, menschenleer. Nur der sich selbst filmende und den Zuschauer ansprechende und nun neben mir reisende Kerl. Das ganze war innerhalb eines Schneideprogramms zu erkennen mit dem der neben mir sitzende, große Kopfhörer auf, das Video bearbeitete. Natürlich achte ich die Privatsphäre meiner Mitmenschen, aber so ganz konnte ich mich dem blinkenden Bildschirm und den bewegten Bildern direkt neben mir dann doch nicht entziehen. Der junge Mann trug Cap und Brille. Nicht nur vor der Kamera, auch im Zug. Und auch das Logo seines Kanals, welches als Aufkleber auf seinem Laptop prangte war von einem Cap und einer Brille dominiert. Als das Video auf Youtube hochgeladen war, entspannte er bei einer Serie und ich sauste lesend mit ihm durch die Landschaft. Gegenüber platzierte sich nun ein dritter junger Mann, der telefonierend einstieg und sich nicht bemüßigt fühlte das Telefonat im Zug zu beenden. So konnte ich mit anhören, dass er Berater war und über das Berater-Leben ein wenig klagte ohne unzufrieden zu sein. Das Berater-Dasein hatte sich tief in sein Denken vorgefressen und so erzählte er der anderen Person in der Leitung, dass ein Freund von ihm nicht bereit wäre für einen anderen, noch besseren Beraterjob in eine andere Stadt zu ziehen. Dieses läge daran, dass dieser eine Freundin habe und mit dieser recht zufrieden sei, daher wolle er „sie gerne halten“. Bei einem Wegzug in eine andere Stadt könne er die Freundin natürlich nicht „halten“. Was für eine betriebswirtschaftliche Sicht auf das eigene Leben.
Das ganze wurde eigentlich nur noch von dem Gespräch übertroffen, welches ich einige Zeit vorher in der U-Bahn mitanhören mußte. Dort berichtete eine Frau ihren zwei Zuhörern, dass sie es nicht verstehen könne wie sich jemand über ein mittelmäßiges Gehalt beklagen könne. Jeder müße doch wissen, dass er nur einen Anteil dessen verdienen könne, was er erwirtschafte. Der Rest stünde doch selbstverständlich dem Unternehmen zu für das er tätig wäre. Daher wäre es nur gut und richtig, dass heutzutage Schluß sei mit hohen Gehältern und Posten auf denen man gut verdiene. Jaja, wie kann jemand nur auf den Gedanken kommen, dass alles was er produziere auch ihm gehöre. Wo kämen wir denn da hin? Lieber nicht weiterdenken, nachher fällt einem noch eine bessere Welt ein.
Schon immer so gemacht
Betrete nicht den Rasen
Pinkele nicht im stehen
Bei Rot hältst du an,
bei Grün da darfst du gehen
Sei nicht so oft krank
Zahle deine Steuern
Sei nett zu deinem Chef,
weil sie dich sonst feuern
Rauche nur privat
Iss bitte nicht im Bus
Wenn Oma uns besuchen kommt,
gib ihr einen Kuß
Sei heterosexuell
und spiele nicht am Pimmel
dann kommst du nach dem Tod
als Engel in den Himmel
Das sind die Regeln hier bei uns
Wer sie befolgt hat null Probleme
Und du mein Kind benehme dich,
dass ich mich niemals für dich schäme
Deutschland im Juni 2010
Wie gerne würde ich jungen, hübschen Mädchen das Gesicht einseifen
tragen sie dort schwarz-rot-goldne Streifen
Wenn junge Männer sich wieder Adolfs Scheitel kämm’
ist WM
Geschmacklose Lyrik – Teil 1
Ich hatte mal zwei Schwestern.
Die eine hat sich beim Purzelbaum ihr Genick gebrochen.
Die andere ist aus Neugier unter einen Mähdrescher gekrochen.
Nun sind beide tot und ich ein Einzelkind.
Wußtet ihr, dass Einzelkinder viel glücklicher sind?
Ich bekomme alle Liebe und nie wieder Hiebe.
Ich könnte vor Freude Purzelbäume schlagen,
doch seit dem Tod meiner Schwester bin ich da vorsichtig muß ich sagen.
Du und Ich
Du bist du und ich bin ich.
Doch du magst mich und ich mag dich.
Soldaten auf Plakaten – Meine Musterung 2005 – Ein Erlebnisbericht
Meine Vorladung zur Musterung kam ein Jahr zu spät. Der Brief war unterschrieben mit „die Leiterin“, bei ihr solle ich mich melden, wenn es Fragen gäbe. Und die gab es. Unter der Nummer meldete sich aber ein Mann, der mir auf meine erste Frage noch eine kurze Antwort geben konnte. „Ja, auch Halbwaisen müßen zum Bund.“ Als ich dann aber etwas konkreter wurde und mich erkundigte, wieso man mich erst jetzt, inmitten meiner Abiturprüfungen zur Musterung lade und nicht wie alle meine Freunde und wie in der Broschüre angekündigt im Jahr davor? Darauf wußte der Herr dann keine Antwort mehr und meinte aber da ich ja ein FÖJ mache, sei das alles eh aus der Welt, denn ein Freiwilliges Ökologisches Jahr könnte ich ja als Ersatzleistung ableisten. Hier mußte ich dann den kompetenten Berater belehren, denn in Niedersachsen wurden FÖJ-Stellen nicht als Ersatzdienstleistungen anerkannt. Nun wurde ich verbunden, der nächste Herr war dann schon etwas kompetenter und konnte mir, nachdem ich ihm meine Bearbeitungsnummer durchs Telefon diktiert hatte (er brauchte mehrere Anläufe um mit zu folgen) helfen. Ja, das sei ein Fehler von ihnen, falsche Signatur. Nun sei alles korrekt, ich mache also 2005 Abi, aber wo das Problem? Nun, ich hatte mich unverschämter Weise um meine Zukunft gekümmert, mir eine FÖJ-Stelle in einer anderen Stadt besorgt, Verträge unterschrieben und dann eventuell danach noch mal zum Bund? Nein danke, ein Jahr zum Orientieren nach der Schule und als freiwilliger Dienst an der Gesellschaft reicht.
Ja, da könne er nix tun.
Die Worte wurden heftiger, ich zorniger, Entschuldigungen des Kreiswehrersatzamtes? Fehlanzeige, für ihre Fehler wurde sich nicht entschuldigt.
Der Termin 30. Mai passte mir nun gar nicht, da ich da im Urlaub sei, also 7. Juni – 7:45 Uhr.
Um Viertel vor sieben scheucht mich meine Mutter aus dem Bett, verschlafen. Um für bessere Ringe unter den Augen zu sorgen und weil am Vorabend immer recht spät „Kalkofes Mattscheibe“ im Fernsehen kam, war ich erst um halb 1 und nach 2 Bieren im Bett verschwunden.
Kurz Zähne putzen, Haare ordnen, Deo, los gehts. Im Bus ist es voll. Ich gehe in einem Schülerpulk in Richtung Kreiswehrersatzamt. Wieso eigentlich „Ersatzamt“? Als Ersatz wofür? Und gehört das „wehr“ zu Kreis oder zu Ersatzamt? Kreiswehr? Wehrersatzamt?
Die Schüler biegen ab zu einer IGS. Ich muß weiter geradeaus. Das Kreiswehrersatzamt ist trotz seines nicht nach Vollständigkeit und Hauptgebäude klingendem Ersatznamens gut ausgeschildert. Im Empfang des mausgrauen Gebäudes weiß man wer ich bin und nun immer den blauen Pfeilen nach. Man sieht weniger Boden als blaue Pfeile. Am Ende der blauen Pfeiledecke sitzt ein Mann und fragt nach meinem Namen und meiner Kontonummer für die Fahrtkostenrückerstattung. Niemand hat das Formular wie gedacht zu Hause schon ausgefüllt, jeder bekommt hier ein neues. Ich auch.
Ob ich wüßte, wann ich so ungefähr zu Hause los sei, fragt mich der Kontaktsoldat. „Ja, 7:12 Uhr“, sage ich. 7:00 Uhr trägt die Beamtenhand auf einen Zettel ein. Ich bekomme eine Infomappe und setze mich in den Warteraum. Um mich rum Soldaten auf Plakaten in tollen Maschinen, die Solidarität preisen oder die Umwelt durch Erhalt von Buckelpisten schützen. Daneben alte Stadtmarketingplakate. „Die Technologie ist in Braunschweig. Die Pflanzen sind in Braunschweig. Zeit ist in Braunschweig.“
Ein Mann ruft meinen Namen, gibt mir einen „Laufzettel“. Der Ablauf auf dem Laufzettel gleicht dem in der Infomappe nur zum gröbsten Teil.
Ich werde wieder aufgerufen. Nun geht es in ein Zimmer zu einem Mann, der meinen Perso, Führerschein und mich aufs genaueste beguckt und meine Ausweise biegt, begrabbelt und zerkratzt. Der Mann wippt die ganze Zeit mit den Füßen und sagt es sei ja alles Scheiße, Kasernen werden dicht gemacht, Arbeitslosigkeit, keiner wird mehr genommen, ich solle mir keine Sorgen machen, mir reißt hier keiner den Kopf ab. Ist das jetzt schon alles gewiefte Psychotaktik oder nur belangloses Gelaber? Ich werde nach Leistungskursen und Sprachen befragt. Latein kennt der PC nicht, dabei sei das so wichtig. Ob ich Schreibmaschine mit 10 Fingern schreiben könne. Nö. Er auch nicht.
Früher hätte man so einen wie ihn „falschen Fuffziger“ genannt.
Irgendwann habe ich die erste Unterschrift auf dem Laufzettel. Laufzettel hört sich so spannend an, nach Schnitzeljagd, Punkte sammeln, Preise bekommen. Hier besteht das Laufen meistens aus warten.
Nun muß ich roten Pfeilen folgen. Hoffentlich verwechsle ich sie nicht mit den vielen blauen. Aber sie lotsen mich weise um die blauen herum zu den Umkleiden. Es gibt eine Nichtraucher- und eine Raucher-Umkleide. Ich bin beides nicht so recht und verschwinde in der Nichtraucher-Umkleide. Alle 12 Ausgaben der Autobild vom letzten Jahr liegen auf dem Tisch. Ich soll meine Sporthose und Turnschuhe anziehen hat der Mann gesagt. So steht es auch auf den Zetteln an den Spinden. Auf meiner Vorladung stant, ich müße nur eine enge Badehose und Badelatschen mitbringen. Ich ziehe über meine Boxershorts meine weite Badeshorts im Hawaii-Design. Die Chucks müßen als Sportschuhe und die Simpsons-Socken als Sportsocken herhalten. Das T-Shirt lasse ich an.
Ich werde in einen Raum gerufen, muß die Schuhe ausziehen, meine Atteste (habe ich natürlich im Spind vergessen) abgeben. Wiegen, messen und dann hier ins Becherchen, höchstens halb voll. Auf der Tür steht „Örtchen“. Ich verschwinde im „Örtchen“, pinkele in den Becher und stelle ihn auf das Fensterbrett zu fünf anderen vollen Bechern. Ich wasche mir die Hände, gehe wieder in das Zimmer der Mess- und Wiegedame. Ob es geklappt habe, fragt sie. Ja. „Super“ findet sie das. Ich scheine der erste zu sein, bei dem das funktioniert. Ich bin verwirrt.
Ich muß wieder in die Nichtraucherumkleide, alte Autobilds lesen.
Herr Pruß?
Nun geleitet mich ein Arzt in einen Raum, dort spielt er dann die ganze Zeit Solitär, während mich eine Ärztin untersucht. Ich sehe die kleinen Zahlen beim Sehtest nicht, lüge bei dem räumlichen Sehtest, habe Knickspreizsenkplattfüße, Allergien. Rauchen? Gerade erst abgewöhnt. Alkohol? Natürlich nur gelegentlich. Schwacher Rücken, Puls nach 20 Kniebeugen im dreistelligen Bereich. Ob ich Marihuana konsumiere? Joa, abundzu. Was das heiße? Naja, so jedes zweite Wochenende. Wann das letzte Mal? Mmh, vorgestern Abend. Der Arzt muß aufhören Solitär zu spielen und im Labor anrufen, sie sollen meine Pisse mal nicht wegkippen sondern auf Gras untersuchen.
Trotz Schlafentzug, einer Woche Komasaufen in Bulgarien, ungesundem Lebenswandel und Marihuana-Konsum vor erst zwei Tagen: Sie sind T2.
Der Arzt wacht auf. Eben noch unterhalten sie sich über Einkäufe und irischen Tee während ich 20 Kniebeugen mache und die Frau meine Hoden durchmassiert. Und nun soll meine Zukunft verbaut sein?
Dankeschön.
Ich muß von Zimmer zu Zimmer. Überall erklären: Nein, ich mache jetzt gerade Abi. Ihr Fehler. Nein, kommen sie ja nicht auf den Gedanken sich zu entschuldigen, ich muß das tun. Mein Fehler, jetzt müßen sie das ja schon wieder ausdrucken.
Beim Psychotest drücke ich nach dem Zufallsprinzip Tasten. Bestehe trotzdem mit einer 3 und darf gehen. Wehrdienstberatung? Nein.
Meine 3,40 € bekomme ich überwiesen.
Ich gehe um 10 vor 11. Um 13 Uhr sei ich zu Hause trägt der Mann in meinen Laufzettel. Ob ich eine Bescheinigung für die Schule bräuchte? Wie? Ich sei schon fertig, aber ich mache doch 2006 Abitur. Nein, ach bitte nicht entschuldigen, mein Fehler, Herr Kontaktsoldat.
Rücksichts Los
Fahrräder die über Gehwege sausen
Autos die über Radwege brausen
E-Roller die auf Behindertenparkplätzen stehen
Fußgänger die über rote Ampeln gehen
Kinder die sich wie Kinder benehmen
und Eltern die sich genau dafür schämen
So ist das in jeder deutschen Stadt
Wo Rücksicht noch slos hinten dran hat
Konsequent kuscheln
Ob Zigaretten Ziegen retten?
Ob Kaffeehausketten einen ans Kaffeehaus ketten?
Kriegt der Schneider ein Ei
in der Schneiderei?
Zahl ich den Espresso bar
in der Espressobar?
Macht der Park Platz
für einen Parkplatz?
Findet in einer Weltstadt
die Welt statt?
Das weiß ich alles nicht.
Was ich weiß? Ich liebe dich.
Hermann L. Gremliza – Ein Nachruf
Hermann L. Gremliza ist nicht mehr sterblich.
Der Herausgeber der konkret starb am 20.Dezember in Hamburg. Ich erfuhr davon am 24.12. durch die Zeitung. Völlig unerwartet ob solch einer Nachricht ist man erstmal kurz fassungs- und sprachlos.
Ich weiß nicht mehr wie und wann genau ich das Magazin konkret entdeckte. Ich glaube durch eine Anzeige, ich meine in der Titanic, und dieses Magazin hatte es mir angetan. So klug, dabei so radikal und gleichzeitig immer mit einem gewissen Witz. Ein intelligentes aber meistens lesbares und dabei auf Sprache Wert legendes Magazin.
Natürlich war konkret politisch. Aber das ist auch die FAZ, ist der Focus und ist auch jede regionale Tageszeitung. Aber wichtig war, gerade für eine linke Zeitschrift, die klare Solidarität mit Israel und der Kampf gegen jeden Antisemitismus. Ich wurde nie konkret-Abonnent und ich las auch nicht jede Ausgabe, da ich in der Regel Tageszeitungs-Leser bin (Und damit ist nicht DIE Tageszeitung gemeint, die Gremliza als runnig gag „Kinder-FAZ“ nannte.). Aber immer wenn ich an einem Sonntag am Bahnhof für die bevorstehende Zugfahrt Lektüre kaufte war es die aktuelle konkret. Und als Anhänger einer Fußballmannschaft fahr ich oft sonntags Zug. So las ich mindestens die Hälfte der jährlichen Ausgaben und meist war das provokante, satirische Cover schon Grund genug zur Freude. Die von mir für gut befundenen Leo Fischer, Wenzel Storch und Horst Tomayer schreiben und schrieben für konkret und in welcher Zeitschrift findet man sonst schonmal einen Leserbrief von Bela B.?
Natürlich stimmt es, was Wiglaf Droste schon zum vierzigjährigen Jubiläum der konkret, Ende der 90er schrieb: Dass Gremliza und einige konkret-Autoren oft lehrerhaft wirkten oder immer wieder wiederholten, dass sie es ja besser wüßten, klüger wären und der Rest der Menschheit leider so dumm. Aber sie setzen sich klar und kritisch mit diesem ganzen Deutschland und was es so an Übel und Unerträglichkeiten mitbringt auseinander und ordnen oft wirtschaftliche oder außenpolitische Zusammenhänge ein, und erklären diese, das Ganze in einem lesenswerten, humorvollen Stil, so dass die Lektüre der konkret so viele bereichern würde, vor allem all die konformen Schwätzern und Großmäuler würden in ihrem Denken mal ordentlich gestört. Und Gremlizas, das Heft eröffnender Text nahm oft so treffend und gut ein Thema auseinander, dabei den Argumenten und der Klugheit verpflichtet und in guter, treffender Sprache. Und was bräuchte man jetzt, wo die Entschleuniger und Achtsamen, die Transparenz und Nachhaltigkeit fordernden immer stärker werden mehr als jemand wie Gremliza, dem es um die „Wiedergewinnung des politischen Verstands, der Analyse statt des Feelings, der Erkenntnisse statt der Ängste, der Prioritäten statt der Liebhabereien“ ging?
Natürlich irrte Gremliza auch. Etwa wenn er die ›Welt im Spiegel‹ „Idiotenseiten“ nannte oder wenn er den Lesenden allzusehr mit gehobenem Zeigefinger belehrte.
Es bleibt nur schwer zu hoffen, dass Gremlizas Tod nicht zum Ende der konkret führt.
Das ein so kluger Mensch wie Gremliza 20 Jahre SPD-Mitglied bleiben konnte überrascht, aber umso konkreter, dass er 1989 austrat, weil die SPD-Fraktion im Bundestag geschloßen mit CDU/CSU und FDP das Deutschlandlied sang.
Es gibt so einige Menschen da will man immer wieder wissen wie sie Dinge einordnen und kommentieren, ihre Einschätzung ist wichtig und unverzichtbar und Gremliza war so jemand.