Wenn es in der Mensa „Indische Pfanne“ gibt, frage ich mich ob wohl auch gerade in einer indischen Mensa eine „Deutsche Pfanne“ angeboten wird. Und was ist da wohl drin? Sauerkraut und Würstchen? Dazu Currywurst, Maultaschen, Braunkohl und Braten?
Und wenn man gefragt wird ob man mitkommen möchte in ein afrikanisches Restaurant, kann man dann auch in ein europäisches Restaurant gehen? Und was stünde dort wohl auf der Karte?
Keine Worte
Was ich tief in deinen Augen seh’
Was ich fühl wenn ich zu dir rüber späh’
Was die Berührung deiner Haut bewirkt
Hast du grad auch dieses Kribbeln gespürt?
Was dein Lachen alles ausdrückt
Das dein Erscheinen jeden Raum schmückt
Das können keine Worte sagen
Das kann keine Sängerin vortragen
Vielleicht stellt der Himmel es dar:
klar, weit, herrlich wunderbar
Wenn ich mit dir ins Blätterdach seh’
Wenn ich das Blitzen deiner Augen erspäh
Wenn ich deiner Stimme lausche,
mich an deinem Lachen berausche
Wie gerne wär´ Ich jetzt bei Dir!
Was das alles bewirkt bei mir
Das alles können keine Worte sagen
das kann keine Sängerin vortragen
Vielleicht stellt die Sonne es dar:
hell, strahlend, herrlich wunderbar
Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt
Sehnsucht hat schon viele Herzen zersetzt
Was aus uns geworden ist,
ob du das Glück in meinem Leben bist?
Das können alles keine Worte sagen,
das kann kein Dichter vortragen
Vielleicht stellt die Nacht es dar:
offen, geheim, vertraut und wunderbar.
Liebe Schaffnerin,
vielen Dank, dass du mich und alle Mitreisenden neulich bei der Einfahrt in den Kölner Hauptbahnhof batest auf unsere „Eigentümer“ aufzupassen, wegen der während des längeren Aufenhalts den Zug durchkämmenden Ganoven und Diebe.
Aber die Zeit in der Sklavinnen und Sklaven von der Bahn durch Deutschland kutschiert wurden ist doch hoffentlich längst vorbei. Ich jedenfalls ergriff rasch all mein Eigentum und verließ den ICE.
Erdbeeryoga, Vanilleyoga, Stracciatellayoga
Gespräche über Yoga ertrage ich deutlich leichter, wenn ich jedesmal das Wort Yoga durch Joghurt ersetze.
Wahrheiten und heitere Weisheiten über Krankheiten
Meine letzte Krankheit hatte Hand und Fuß. Ich hatte nämlich Hand-Fuß-Mund.
Wer öfter in klammen Betten pennt
ist wahrscheinlich dezent inkontinent.
Wer hat nur diese Sitzecken in Bussen erfunden?
Wer hat nur diese Sitzecken in Bussen erfunden?
Früher saß alles hintereinander in Zweierreihen. Dann kamen die noch annehmbaren 4er-Ecken und hippen Rückfahrsitze. In den letzten fünfzehn Jahren haben Inneneinrichter von Bussen und anderen öffentlichen Verkehrsmitteln aber begonnen die Bänke und Sitze völlig wild durch das ganze Fahrzeug zu würfeln. In einigen Bussen gibt es zum Beispiel im hinteren Teil einen Bereich, wo sich zwei lange Bänke gegenüber stehen, umrahmt von 7 Sitzen!
Wenn der Bus voll ist, schauen sich also 13 Leute gegenseitig betreten auf die Schuhe. Kann man so, wie es einige aus der Körperhaltung können, aus der Fußstellung auf den Charakter schließen?
Das Mädchen mir gegenüber hat Haut als wäre sie zu oft im Solarium gewesen. Ihr Alter lässt sich nach dem häufigen Besuch der Sonnenbank also nicht mehr einschätzen. Sie ist blond, trägt einen dicken pinken Wollschal und einen diamantenen Ring am Finger. Bestimmt spielt sie Tennis, ihr Freund fährt Golf und ihr Vater ist Arzt. Charakter hat sie nicht. Ihre Augen sind auch tot von dem vielen Solariumslicht.
Weiter links sitzt ein Mädchen mit Charakter.
Die beiden werden von einem blondierten Jungen mit klobigen, verdreckten, schwarzen Lederstiefeln getrennt. Er ist der einzige Mann, der nicht breitbeinig sitzt.
Die Scheiben sind beschlagen.
Alles was das Charakter-Mädchen macht ist toll.
Sie wechselt Batterien in ihrem Walkman. In Zeiten wo ein Discman anachronistisch wäre und selbst ein MP3-Player schon out ist, wer hört da noch Walkman?
Sie hat sich ein Piercing in ihr Kinn schießen lassen. Die Straßenköterblonden Haare sind wuschig. Die Klamotten bequem. In den Augen blitzt es. Ob diese Lady schon einmal ein Solarium von innen gesehen hat?
Schall und Rauch
Meine Eltern haben mich Nils-Ole genannt. Seitdem gehört es zu meinem Leben, dass egal wo ich nach meinem Namen gefragt werde und ich diesen vortrage ich mindestens eine Nachfrage erwarten darf: Mit Bindestrich? Willst du Nils oder Ole genannt werden? Ist das ein Name? Dabei vergessen die Kritiker eines Doppelnamens in der Regel, dass nicht ich mir meinen Namen ausgedacht habe, sondern meine Eltern. Insofern wären sie die berechtigten Adressaten für Kritik an meinem Namen. Noch erschwerend bei meiner namentlichen Vorstellung kommt hinzu, dass mein Nachname so kurz und knackig er doch ist, nicht beim ersten Nennen verstanden wird. Ein langes U lässt sich schwer laut aussprechen, ein P wird beim buchstabieren genauso oft für ein B oder D gehalten und ein ß kennen die einen unter „sz“, die anderen unter „scharfem S“, wieder andere unter „Buckel-S“ und die jüngste, digital aufgewachsene Generation, die selbst Straße zu Strasse in eifrigem vorauseilendem Gehorsam verrechtschreibreformt, kennt den Buchstaben gar nicht mehr. Zusätzlich wird oft nicht verstanden wo mein Vorname aufhört und mein Nachname anfängt.
Wie gerne hieße ich manchmal Michael Kater oder Thomas Ende. Irgendein Name, den man sagt und jeder weiß sofort Bescheid. Keine Nachfragen bezüglich zukünftiger Verwendungsweise oder Verschriftlichung. Doch genau das wäre ja langweilig, meinen Eltern würde ich Lustlosigkeit und Unkreativität bei der Namenswahl vorwerfen. Bei der Wahl meines Namens und auch dem meiner Schwester gaben sie sich große Mühe und schufen genau die richtige Mischung aus Einzigartigkeit und Normalität.
Wie schwer so eine Namensauswahl für ein zukünftiges, noch nicht unter uns weilendes Wesen ist, wird einem erst klar, wenn diese einmal ernsthaft ansteht. Sollte der Name, ähnlich wie die Religion, vielleicht erst gewählt werden, wenn der Mensch selbst dazu eine eigene, reflektierte Entscheidung treffen kann? Doch wie oft dieses schief geht, kann man an Menschen beobachten, die ihren eigenen Namen im Erwachsenenalter aussuchen durften, in Form von Künstlernamen. Sie müßen sich dann Rest ihres Lebens Kuddel oder Breiti nennen lassen oder wollen irgendwann nicht mehr Gina Wild oder Schnuggie91 heißen sondern wieder Michaela Schaffrath und Sophie Kirsch.
,daß du
Bist du ein ganz klein wenig schlau
dann weißt du ganz genau …
Warum ich nicht mehr zum Raclette-Essen eingeladen werde
Meistens geht alles viel zu spät los. Vor allem für jemand der hungrig eher ungeduldig ist und bei Essen gar nicht gut warten kann.
Doch alle müßen angekommen sein, jede Zutat geschnippelt und in entsprechend große Schälchen und Schüsselchen drapiert worden sein, die in jedem Haushalt unterschiedlichen Racletteregeln müßen erklärt worden sein, wieviele Pfännchen für jeden und wo jeweils rein damit, was oben drauf, aus den Pfännchen nur mit dem Holzschaber, das heiße Pfännchen auf keinen Fall auf die gute Tischplatte und wer will jetzt nochmal alles Wein? Und bis dann alle sitzen und das viel zu spät in die Steckdose gestöpselte Raclettegerät endlich Betriebstemperatur erreicht hat bin ich mit den Nerven völlig am Ende.
Nun heißt es in stereo essen. Also zwei Pfännchen möglichst schnell befüllen und in das Gerät schieben. Die Technik ist dann Pfännchen 1 aus dem Gerät ziehen, mit dem extra Schaber den Inhalt auf den Teller schaben und die noch heiße Pfanne direkt wieder voll laden und rein ins Gerät. Dann wird sich an dem dampfenden Haufen der Gaumen verbrannt um anschließend Pfännchen 2 auszuleeren, erneut beladen wieder in die Hitze zu schieben um danach den Teller leer zu essen und nun geht es wieder mit Pfännchen 1 weiter. Am Anfang esse ich aus lauter Gier und Hunger die Pfännchen roh, nachdem sie viel zu kurz unter dem glühenden Heizdraht standen, bis ich endlich ein nicht nur quantitativ sondern auch qualitativ perfektes Befüll-Ess-Grill-Tempo finde. Dabei gilt es die Pfännchen so voll wie möglich zu machen, allerdings nur exakt so hoch, dass sie noch unter den Heizdraht passen ohne dort anzustoßen und folglich dort eine harte, angebrannte Käsekruste zu hinterlassen, die die Gastgeber kurz bevor das Gerät das nächste Mal Gästen präsentiert wird, oder, was noch schlimmer ist, noch am selben Abend in Anwesenheit von mir, dem vollgefressenen Gast, wütend versuchen abzuschrubben. Da mein Sättigungsgefühl zu spät oder nicht vehement genug eintritt, esse ich trotz viel höherem Tempo auch viel länger als alle anderen Gäste. Und während diese bereits satt auf ihren Stühlen hängen, sich wünschen dass die glühenden Öfen auf dem Tisch endlich abgestellt werden und man zum hoch angepriesenen, extra für diesen Abend beschafften Eis übergehen kann, schiebe ich Pfännchen um Pfännchen in das Gerät. Vor mir einen großen, fettigen Haufen viel zu grob abgeschnittener Käseränder auf dem Tisch. Denn während alle den essbaren Rand mitessen, säbele ich diesen ab, dabei natürlich viel zu viel teuren Käse mit, so dass aus dem Käserandberg vor mir nicht nur ein immer an mich erinnernder Fettfleck in der Tischplatte zurückbleibt sondern, so viel „Verschnitt“ anfällt, dass gut und gerne eine Person mehr eingeplant werden muß, bei Berechnung der Käsemenge.
Was ich mir mittlerweile abgewöhnen konnte ist wenn alle Zutaten aufgegessen sind nicht noch aus den Kartoffeln hauchdünne Scheiben zu schnitzen und diese in Butter in meinem Pfännchen zu frittieren um sie anschließend gesalzen als winzige Kartoffelchips zu verzehren. So dass zu dem Käsegeruch in Gardinen und Polstermöbeln nun noch ein Fast-Food-Imbiss-Geruch tagelang an den Besuch und das gesellige Essen erinnert.
Britzel, Bratzel, Brutzel.
I’ve been looking for freedom – Was es heißt ein Deutscher zu sein
Im Alter von 33 Jahren, auf meinem ersten David Hasselhoff – Konzert wird es mir das erste Mal voll bewusst. Ich bin deutsch. Es ist irgendetwas besonderes an diesem Land. Und das meine ich nicht im dummen nationalistischen Schwanzvergleich.
Vorne steht ein sich dem Alter entsprechend hölzern über die Bühne bewegender Amerikaner und vor ihm tausende Deutsche. Dieser Amerikaner ist ein Weltstar, weil er in zwei überdurchschnittlich weltweit erfolgreichen Serien mitgespielt hat. Aber nur im deutschen Sprachraum war er auch erfolgreich als Sänger. Nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz konnte er unzählige Doppelplatin-, Platin- und Goldene Schallplatten verkaufen. Und nun, 30 Jahre nach diesem Karrierehöhepunkt steht er immer noch in großen Hallen in diesen Ländern auf der Bühne und lässt sich feiern. Genau 30 Jahre nach dem Fall der Mauer. Und darum geht es andauernd. Das sind die zwei großen Themen der Deutschen. Das größte Menschheitsverbrechen, die industrielle Ermordung von Millionen Juden und anderen, den Deutschen nicht in den Kram passenden und die nach der Niederlage im zweiten Weltkrieg geteilte Republik, die Mauer und deren Fall vor 30 Jahren.
Ich bin, 1986 geboren, genau Teil der Generationen die mit Beidem nicht mehr direkten Kontakt hatte. Meine Großeltern waren keine Täter mehr, sondern Hitlerjungen und BDM-Mädchen und die DDR gab es für mich nur als frühkindliche Erinnerungsfetzen und auch nur weil ich im Zonenrandgebiet aufwuchs und meine Großeltern mütterlicherseits in West-Berlin lebten. Meine Großeltern und ihre Geschwister gingen ganz unterschiedlich mit der Nazivergangenheit um. Der eine verschwand ins Ausland und brach seine deutschen Wurzeln ab, der andere beschäftigte sich als Zeitzeuge, historisch-wissenschaftlich und publizierend mit seiner Kindheit als Hitlerjunge und Flakhelfer und wieder ein anderer lebte ein Leben als weltoffener, reisender und gastfreundlicher Mensch. Doch wenn der Großmutter, die Familie in einer hektischen Situation zur Ruhe mahnend, der Spruch „Nur keine jüdische Hast“ rausrutschte, ahnte ich wie der Antisemitismus in der deutschen Erbanlage weitergegeben wurde und wird. Doch die Schauermärchen vom Iwan, vom Einmarsch der roten Armee, der gerade für viele deutsche Frauen wahrlich grausam und traumatisch war oder die Mär vom „Wir haben doch nichts gewusst“, sind für meine Generation und mich Geschichten von weit her, die Generation die es dazu zu befragen und konfrontieren galt war tot bevor wir alt genug waren sie zu fragen. Und nun steht 2019 dieser Amerikaner vor mir und bringt in der Frankfurter Jahrhunderthalle eine typisch amerikanische bis ins letze Detail professionelle Show auf die Bühne. Keine wie beiläufig ausgezogene und beiseite geschleuderte Jacke landet nicht in den Händen einer schon bereit stehenden Helferin. Und mittendrin, im feiernden, freudigen Publikum, stellt sich mir die Frage: Warum ist er nur hier so erfolgreich? Ist dieses Gefühl hier der Traum vom großen Bruder USA, vom Alliierten der uns Freiheit, Demokratie, Coca-Cola und Wohlstandskapitalismus brachte? Der in Knight Rider den begehrenswerten technischen Fortschritt zeigte? Ein redendes, selbst fahrendes und springendes Auto das für den Rechtsstaat eintritt? Oder der in Baywatch den Traum von Sonne, knapp bekleideten, bildschönen Menschen und Arbeit die einen erfüllt zeigte? Kapitalismus und Konsumismus als tolles, freies, alle erfüllendes System von dem wir auch mehr wollen? Und die Deutschen tun was die Deutschen tun. Ein Lied im Walzertakt? Ohne Aufforderung schunkelt der ganze Saal. „Do you know Carmen Nebel?“ Klar kennt hier jeder Carmen Nebel. Und natürlich singt er deutsch. Covert Udo Jürgens, singt ein trauriges Duett auf deutsch und schmettert zum Abschluß selbstironisch halbplayback den Peter Maffay – Klassiker „Du“ als Zugabe. Und dann geht es natürlich die ganze Zeit um das zweite große, deutsche Thema. Die Mauer. Auf den riesengroßen Videowänden erscheinen Grenztürme, Suchscheinwerfer durchpflügen das Publikum und David („Don’t call me David. Call me Hoff“) singt David Bowies „Heroes“. Natürlich übersetzt er uns auch eine Strophe ins deutsche.
Wäre ein David Hasselhoff – Typ der geborene Kanzler? Eine Art Populist dem die Deutschen liebend gerne folgen? Oder eben gerade nicht, weil es diesen Amerikaner von damals nicht mehr gibt? Das ganze nur eine Zeitreise? Längst haben die amerikanischen Konzerne und Marken die Welt und auch Deutschland erobert. Längst hat die amerikanische Kultur unsere so sehr geprägt, dass das verlockende, andere fehlt. Boten die USA damals Freiheit, Konsum, Luxus, Fortschritt, Aufklärung und von allem mehr. Kaugummi, Fast-Food, Burger, blinkende Lichter und Sex, so schaut der Deutsche heute auf die Amerikaner mitleidig hinab.
Aber als krönendem Abschluß halten wir mit the Hoff Ausschau nach Freiheit. Im Hintergrund bewegte Bilder von der großen Feier am Brandenburger Tor als er (technischer Fortschritt!) in elektrisch blinkender Jacke und Klaviertastaturschal vor den feiernden Deutschen seinen größten Hit sang und auf den Fotos der 90er-Jahre Deutschen auf der Mauer, sehen diese aus wie Deutsche eben aussehen und erst Recht in der schrecklichen Mode dieser Zeit, getränkt von Großreichfreudentaumel und Silvestersekt. Es gruselt einen ein wenig.
Irgendetwas ist besonders an diesem Land. Und dem kann man sich, hier sozialisiert, wohl nicht entziehen. Man braucht wohl nur David Hasselhoff, der einem alles erklärt.