Seit ich kein Radio mehr höre, weil mein sauteurer Tschibo-Radiofunkinternetbluetoothwecker keine Verbindung zum Internet mehr zustande bringt und in Küche und Bad nicht wie früher in WGs irgendwelche alten Radios herumstehen die bei Zähne putzen oder Abwasch eingeschaltet werden und ich auch kein Fernsehen mehr schaue, erreichen mich Nachrichten etwas verspätet über die gedruckte Zeitung. Diese kaufe ich meist am späten Nachmittag oder Abend. Dann zu lesen was am Vorabend bei Fertigstellung der Zeitung Aktuell war, reicht völlig aus. Was sich bis dahin als Nachricht, Neuigkeit oder gar News überholt hat, war es eh nicht wert. Es gilt sowieso zwischen den Zeilen zu lesen und oft kann man es mitsprechen. CDU: Aber auch an die Arbeitsplätze denken. FDP: Der Mittelstand gehört endlich entlastet und wir brauchen dieses Internet. SPD: Aber auch an die Friseurin denken oder die Altenpflegerin. Grüne: Auch an den Feldhamster denken und das Klima. AfD: Denkt hier irgendwer auch mal an die Deutschen? Linke: Also vielleicht wählen wir bald einen neuen Fraktionsvorsitz. Und dann vertragen wir uns endlich alle. Versprochen.
Die Nachricht über eine entsetzliche Tat am Hauptbahnhof meines Wohnortes erreichte mich, während ich einem Freund beim Umzug half, weil einer der Umzugshelfer nicht mehr per Zug heimfahren, sondern mit dem Auto gebracht werden mußte. Eine Mutter und ihr Kind sollten vor einen einfahrenden Zug geschubst worden sein und nicht nur der hessische Innenminister hätte sich zu Wort gemeldet sondern sogar der deutsche Horst Seehofer seinen Urlaub abgebrochen.
Am nächsten Morgen klickte ich auf einen der häufigsten verwendeten Hashtags bei Twitter um mich dann doch mal zu informieren was dort am Vortag genau geschehen war und nach dem Lesen der ersten drei Tweets mit der aktuell größten Reichweite wurde mir schlecht und ich klappte den Laptop zu. Die Polizei und die Medien hatten mittlerweile die Nationalität des mutmaßlichen Täters veröffentlicht und da diese nicht die deutsche war, fühlten sich nun unzählige Nazis berechtigt ihre Ideologie ins Netz zu blasen und einen direkten Zusammenhang zwischen dem Ort herzustellen an dem der wohl für die Tat verantwortliche zufällig aus seiner Mutter gekrabbelt war und der Motivation zwei unschuldige Menschen vor einen einfahrenden ICE zu stoßen. In ihrer Denkweise hatten sich damit alle mitschuldig an dem Tod eines achtjährigen Jungen gemacht, die in den letzten Jahren vor Krieg, Armut, Verfolgung oder aus was für Gründen auch immer ins wohlhabende Deutschland geflüchtet waren und gleichzeitig alle Menschen die dafür Verständnis aufbrachten.
Am Abend kaufte ich mir eine aktuelle Tageszeitung und erfuhr, dass diese an sich schon schwer nachzuvollziehende Gedankenkette durch die reinen Fakten noch widerlegt wurde. Der vermeintliche Täter wurde in Eritrea geboren und lebte bereits seit 13 Jahren in der Schweiz. Alice Weidel, Fraktionsvorsitzende der AfD hatte nach der Tat trotzdem getwittert: „Schützt endlich die Bürger unseres Landes – statt der grenzenlosen Willkommenskultur!“ Wie sähe in Frau Weidels Augen dieser Schutz aus? Hätte sie es begrüßt, wenn der Eritreer einen Syrer vor den Zug gestoßen hätte? Wünscht sie sich eine begrenzte Willkommenskultur? Oder eine grenzenlose Verabschiedungskultur? Oder gleich eine Verabschiebungskultur? Und an wen richtet sich ihre ins Netz gerufene Forderung? Die lange für die CDU im Bundestag gesessene Erika Steinalt warf dann auch noch einen leeren Gedanken hinterher und stellte einen direkten Zusammenhang der Politik Angela Merkels und dieser Tötung her.
Es ist zu durchschaubar wie diese Personen die niedersten Instinkte des Menschen ansprechen: Wut und Angst. Das braucht man gar nicht mehr zu erklären, so offensichtlich ist es.
Die Spirale ist nun in Gang gesetzt. Mehr Polizei, mehr Kameras, Bahnsteige betreten nur noch mit Ariernachweis, in den Medien bitte immer die Nationalität von Tatverdächtigen mitnennen, damit man weiß ob man sich vor dem bösen Ausländer respektive Flüchtling gruseln und das jeweilige Opfer betrauern kann oder ob es halt eine ganz normale Tat eines Einzeltäter-Deutschen war, der im Idealfall einen Flüchtling um die Ecke gebracht hat.
Fast niedlich in all dem Geschrei um mehr dies und mehr das die Forderung des Landesvorsitzenden von Pro Bahn Hessen in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau nach mehr Aufmerksamkeit von Passagieren: „Aber was zugenommen hat, ist die Gleichgültigkeit. Auch was Vandalismus betrifft, oder wenn jemand im Nichtraucherbereich raucht. Da fühlt sich keiner verantwortlich und spricht ihn an.“ Das es vielleicht einfach niemanden stört, wenn jemand nicht im kleinen gelben, auf den Boden gemalten Rechteck raucht, kommt ihm gar nicht in den Sinn, dem Blockwart von Pro Bahn.
Wortschatzerweiterung
Folgende von mir erfundene Wörter sind ab sofort in den alltäglichen Sprachgebrauch zu integrieren:
pippeln – Als Mischung aus pinkeln und Pipi machen, synonym dafür zu verwenden
schnieseln / es schnieselt – Wenn es schneit uns nieselt zugleich.
Fortsetzung folgt.
Verhältnis geklärt
Butter
reimt sich auf Mutter.
Margarine
nur auf Cousine.
Schreiben Sie mal einen Dreizeiler mit Butter, Margarine und Estland.
Er fuhr nach Estland.
Er fing keinen Butt.
Er wurde margar in Estland.
Als kleine Gratis-Serviceleistung, folgender Tip:
Meiden Sie Kolumnen mit folgenden Themen:
- E-Roller
- die besondere Hitze dieses Sommers
- die Probleme der besonderen Kälte dieses Winters
- Bahn fahren und Verspätungen
- Männer sind anders als Frauen
- die Kinder der Kolumnistin/des Kolumnisten
- der letzte Grillabend
- Älterwerden
- „Ich versteh die Jugend nicht mehr“
- die verlorenen Socken in der Waschmaschine und überhaupt Haushaltsanekdoten
- Klimawandel
und Kolumnen in denen Ursula von der Leyen jetzt immer noch „Flinten-Uschi“ oder „UVDL“ genannt wird.
Vor Sitz kommt Platz
Die SPD sucht eine neue Person die ihr vorsitzt. Ich sitze sehr gerne. Noch lieber liege ich, aber sitzen ist schon mal sehr gut. Vielleicht sollte ich mich bewerben.
Ich trinke auch sehr gerne Bier. So wie der „Hol mir mal ne Flasche Bier“-Kanzler Schröder. Franz Müntefering konnte seinen Kehlkopf zurückklappen und so ohne lästiges schlucken Flüssigkeiten in sich reinlaufen lassen. Allein deswegen besaß er bei den Genossinnen und Genossen hohes Ansehen. Überhaupt alle immer mit „liebe Genossinnen und Genossen“ ansprechen, würde mir sehr gefallen. Ich fahre ungerne Fahrrad. Aber das tat auch nur Rudolf Scharping gern und der war nicht so beliebt in der SPD. Eigentlich bin ich zu links für die SPD, aber das hat Oskar Lafontaine auch nicht gestört, als er ihr Vorsitzender war.
Dreitagebart tragen oder dick sein haben schon Matthias Platzeck und Kurt Beck eingeführt. Sigmar Gabriel trat in Niedersachsen mal mit dem Slogan „Klar für Sigmar“ an. Das kann ich auch. „Na denno, für Enno“ oder „Noch besser als Guacamole ist bloß Nils-Ole“ wären meine Werbesprüche.
Hiermit könnte ich mich eigentlich anmelden, zur Wahl des zukünftigen Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Allerdings wollen die ja jetzt ein Team an der Spitze, weil das bei den Grünen so gut läuft. Da ist die SDP ein wenig wie das deutsche Fernsehen. Wenn irgendwo anders etwas gut läuft, kopiert man es einfach schlecht. Fertig. Aber mit wem sollte ich mich gemeinsam bewerben? Ich kenne nicht viele Menschen die Mitglied in der SPD sind. Eigentlich nur meinen früheren Lateinlehrer und eine sehr gute Freundin. Die lebt aber mittlerweile in der Schweiz. Und in Latein war ich immer sehr schlecht.
Ich befürchte außerdem, dass ich vor meiner Kandidatur in die SPD eintreten müßte. Und ich hatte schon einmal ein Zeitungsabo, das bin ich nur ganz schwer wieder losgeworden. Vielleicht lass ich das doch lieber.
Reim-Mein-Gebiet
Mit Anglizismen gegen Anglizismen
Doch wenn ich dich eines Tages kille,
dann weil du sagst: „Ich chille.“
IY
Ydill oder Idyll?
Vynil oder Vinyl?
Sybille oder Sibylle?
Nüchtern oder knülle?
Nur mit Regenschirm
oder mit Zwille?
Entscheide dich!
Sein letzter Wille
Schraube locker
Wer mit wachen Sinnen durch die Welt geht, dem bleibt es nicht erspart mit Werbung konfrontiert zu werden und sich so einiges anzusehen und unfreiwillig durchzulesen. Aktuell betrachtet man so also an Bushaltestellen, Hauswänden und anderen städtischen Werbeflächen die aktuelle Nachwuchsanwerbungskampagne der Bundeswehr.
Auf einem dieser Plakate sieht man einen jungen Menschen im Dress der Marine über den groß der Schriftzug: „#Schrauben – Folge deiner Berufung“ geschrieben steht.
Wessen Berufung einfache, drehende Handbewegungen sind, könnte diese auch genauso mit den Schlagwörtern #Popeln oder #Wichsen auf den Punkt bringen. Folgen dann auf den Plakaten der Bundeswehr-Karriere-Werbung demnächst die Hashtags #Nageln oder #Löten? Oder geht es hier gar nicht darum, dass tatsächlich Menschen gesucht werden deren Berufung, also deren besondere Befähigung, die diese sogar noch als Auftrag in sich fühlen, es ist zu schrauben, sondern deren Berufung Schrauben sind? Aber was ist seltsamer? Die Berufung zu schrauben oder die Berufung zu Schrauben? Und was hätten Liebhaber der metallenen Gewindeträger genau in der Bundeswehr verloren?
Ich erwarte von der Bundeswehr, Leute mit der passenden Berufung zu suchen: #Töten, #Gehorchen und #Deutschland.
Watt is love
Watt is love
Baby fahr mal an die Nordsee
An die Nordsee
Nicht ins Moor
Baby reis mal an die Nordsee, die Nordsee
Nach Föhr
Watt is love
Yeah
Ich weiß nicht, wieso stellst du dich quer?
Ich gehe ins Watt, aber du gehst ins Meer
Sag ist es es der Schlick oder der Wattwurm?
Gummistiefel anziehn?
Watt is love
Baby an der Nordsee
Der Nordsee
Kein Meer
Ach, ich weiß nicht, was kann ich noch tun?
Wat soll ich noch sagen, hier in Büsum
Ich weiß nur eins, das Meer ist grad nicht zu sehn
und wir beide, könnten jetzt gehn
Die Rillen am Fuß, bevor der Priel voll läuft
die Büsumer Krabben ham die Möwen verspeist
Ich geh los, barfuß ins Watt
los komm mit, sei nicht doof:
Watt is love
Vom Bier zum Wein und zurück – (Trinkergeschichten 1)
Als ich rund um den Jahrtausendwechsel in Niedersachsen aufwachsend mit dem Verzehr von Alkohol begann, bestand ein Biereinkauf im Erwerb eines Kontis. Ein Konti, das waren 10 Glasflaschen Wolters Pilsener in einem Karton zum tragen, wie man ihn vom Sixpack kennt. Ein Konti kostete 10 Mark. Auf die dünneren Flaschen gab es keinen Pfand, leergetrunken wurden sie durch direktes wegwerfen an Ort und Stelle, also in Gräben, Wälder, Hecken oder wo man sich sonst gerade befand, entsorgt. Ein Konti passte genau in einen Eastpack-Rucksack, den zu besitzen zu der Zeit und in unserem Alter Pflicht war. 10 Bier waren eine gute Einheit, man teilte sich zu zweit einen Konti und schaffte man alle 5 Biere war man sternhagelvoll. Mit erweiterter Trinkerfahrung kaufte man sich irgendwann für einen Abend einen Konti alleine. Als Jürgen Trittin irgendwann den Dosenpfand einführte, wurden diese Einwegglasflaschen mit jeweils 25 Cent besteuert und das war das Ende für den Konti.
Es gab natürlich auch Kontis von anderen regionalen Marken, aber für uns gab es nur Wolters, da gab es keine Diskussion. „Wolters oder Wolters nicht?“, fragten die uns damals schrecklich peinlichen Alten aus der Wortspielhölle.
Erst Jahre später, als mich das Studium in andere Regionen und dort auch mit Menschen aus noch ferneren Gegenden Deutschlands in Kontakt brachte, mußte ich feststellen, dass der Konti ein Phänomen meines Herkunftsbereiches war. Und erst jetzt, über 15 Jahre nach dem Beginn meiner Entdeckung des Alkohols und des Bieres lernte ich, wofür diese Abkürzung „Konti“ wohl stand: Für Container, weswegen es eigentlich „Conti“ geschrieben werden müßte.
Doch die Erfahrungen mit Alkohol, seinem Ruf, seiner Wirkung und dem Umgang damit beschränkten sich nicht nur auf die Gebinde- und Verpackungsform, sondern auch auf die Getränkearten an sich. Nach Experimenten unter anderem mit Sangria, Apfelkorn und Gras, kristallisierte sich Bier als angenehmste und passendste Droge in meinem Leben heraus. Überall und preisgünstig erhältlich, gesellschaftlich akzeptiert, erfrischend und lecker, in 0,33l-Form serviert in der perfekten Einheit und dank des deutschen Reinheitsgebots war überall klar, was sich in einer Flasche Bier befindet. Craft-Bier kannte man damals schönerweise noch nicht.
Doch weil sich die Wirkung von Wein in angenehmer Weise von der von Bier unterschied, beschloss ich irgendwann auf Wein umzusteigen. Immer so leicht strunkelig, warm, seelig angesoffen mit roter Weinnase und Rübe, statt pöbelig, prollig bierig ganz verbittert vom vielen herben, norddeutschen Pils, das war der Plan. Nicht ganz unschuldig daran war auch meine erste und bisher einzige Weinprobe, die mich unter anderem mit dem Versprechen gelockt hatte für einen Unkostenbeitrag von 1,50€ ohne Kaufverpflichtung Wein probieren zu dürfen und noch dazu mit kleinen Snacks und Ausführungen vom Winzer versorgt zu werden. Doch nachdem jede_r Teilnehmende insgesamt 1 bis 1,5 Flaschen Wein geleert hatte und es an die Bestellungen ging, orderten die Anwesenden kistenweise. Um nicht als einziger nur einen Schwips mitzunehmen bestellte auch ich eine Kiste Weiß- und eine Kiste Rotwein. Erst nüchtern am nächsten Morgen rechnete ich aus und erschrak. Aber der Wein kam und schmeckte, gut getestet und ausgewählt, wunderbar. Da Wein also noch fröhlicher besoffen macht und die zwei Kisten leerzutrinken waren stand der Entschluss fest: Ich werde vom Bier- zum Weintrinker.
Doch schnell brachte der Wein mich gegen sich auf. Machst du eine Flasche Wein auf, sind in relativ kurzer Zeit 0,7, wenn nicht gar 1 Liter Wein wegzutrinken. Was für eine Verantwortung, gegenüber einem 0,33l kleinen, noch dazu halb so starkem, Bier. Mit Wein muß man sich auskennen. Vorm Bierregal im Supermarkt oder Kiosk bin ich Fachmann. Vorm Weinregal, selbst im Discounter ratlos. Mit Durst einen Wein bestellen? Es wird dir ein 0,1 oder maximal 0,2l – Schluck gebracht, der noch dazu sauteuer ist. Und auf dem Weg zum Konzert, zum Fußball oder zur Party ist ein Fußpilz wunderbar zu trinken, die große Flasche Wein aber unhandlich und soll sie vorher geleert werden ist die Person, die das auf sich nimmt, dafür voll.
So führte die Rationalität vom durchaus köstlichen Wein zurück zum Bier. Nach Wein wieder Bier, das rat ich dir.
Die Spiegelei
Wir halten jetzt hier einmal fest:
Das Spiegelei, heißt Spiegelei,
weil es wie ein Spiegel bricht entzwei
wenn du es runter fallen lässt.
Was uns zu folgendem Gedanken bringt:
Die Spiegelei heißt Spiegelei,
weil Spiegelung viel blöder klingt.
Nachtrag:
Dass der Ort an dem man Spiegel produziert,
nicht Spiegelei heißt? Das frustriert.